Die philosophische Moderation findet ihre Anwendung im Gespräch zwischen Menschen, die
sich über die Grundlagen ihres Denkens und Handelns vergewissern wollen. Sie unterscheidet sich von rein wirtschaftlichen, politischen, juristischen u.a. Herangehensweisen durch die Rückbeziehung unseres Erfahrungswissens auf die grundsätzliche Frage nach dem Sinn- und Wertgehalt des Themengegenstandes; sie besteht nicht auf beschreibende Neutralität, sondern fordert zu Deutung und Wertung auf.

Dazu werden im freien Dialog vorhandene Meinungen, Überzeugungen, Ideen etc. zu einem bestimmten Thema oder Problemkreis konturiert, erhellt und vertieft, aber auch auf ihren Sinn- und Bedeutungsgehalt hin geprüft.

Das Gespräch hat eine maieutische Intention. Mit Maieutik (Hebammenkunst) wird das von Sokrates praktizierte Verfahren bezeichnet, im gemeinsamen Gespräch, Erkenntnisse über für uns wichtige Begriffe und daraus folgende Haltungen und Verhaltensweisen zu gewinnen.
 
Durch eine entsprechende Gesprächsführung werden die Kernbedeutungen zentraler Orientierungsbegriffe offengelegt. Das schärft unser Wert- und Sinnbewusstsein, eröffnet neue Sichtweisen, sprengt verkrustete Denkmuster und erweitert die eigenen Denkhorizonte. Das philosophisch moderierte Gespräch stellt kein Problemlösungsverfahren dar, es sucht weder endgültige Antworten noch ist es auf Konsensbildung aus. Es bildet und vertieft das individuelle Selbstverständnis in Beruf, Familie, Freizeit u.v.m. Es stärkt unser Urteilsvermögen, unsere Orientierungs- und Handlungskompetenz.