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Eine Agora für die Architektur go
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Rückschau Termine und Themen: siehe unten
 
BDA -Gespräch 2002
"Was aber das Schöne sei ..."
Bund Deutscher Architekten

offenes gesprächsforum
über grundsatzthemen zu
architektur, architekturtheorie und ästhetik

themenstellung, philosophische leitung und moderation
emilio gonzález roncero
 

Keine weiteren Moderationen von mir ab 2007. Für aktuelle Infos zum jetzigen Forum:
 Bund Deutscher Architekten

Themenliste

08.März 2006
Öffentlichkeit und Privatheit

Die Konfliktlinie zwischen Staat und Individuum hat zur Demokratisierung der Gesellschaft geführt. Das tragende Fundament der Demokratie, die Öffentlichkeit, reibt sich nun an der Sphäre des Privaten. Wo treffen beide Bereiche aufeinander? Wo ist die Grenzziehung/-überschreitung zwischen öffentlichem Raum und Eigenbereich? Dienen Architektur und Stadtentwicklung als bildgebende Verfahren für diese Auseinandersetzung?
 

12. April 2006
Zwischen Stil und Mode

Die Divergenz von Experten- und Massengeschmack kann als ein gesellschaftlicher Widerspruch gelesen werden, der zwischen Stil und Mode ausgetragen wird. Woher nehmen Architekten, woher Laien die Kriterien ihrer ästhetischen Urteile? Wie verhalten sich Stil und Mode zueinander? Ist Stil nichts anderes als das Sediment der Moden? Erstarrte Vulgarität? Sind Moden Demokratisierungen des Konsums, die sich ästhetischen Diktaten widersetzen? Architektur zwischen Elitismus und Pop(-ulismus).
 

10.Mai 2006
Eros der Architektur

Eros, der Dämon, der die Menschen für das Wahre, Gute und Schöne begeistert. Er gilt als geistiger, seelischer und sinnlicher Antrieb des Strebens nach Selbstvollendung und Unsterblichkeit in seinen leiblichen und geistigen Kindern. Prinzip von Zeugung und kreativem Leben. Architektur als Erkenntnis- und Schöpfungsdrang.
 

14.Juni 2006
Die Seele berühren ...

... könnte eine der vornehmsten Aufgaben der Architektur sein. Aber „was ist uns jetzt die Schönheit eines Gebäudes? Das Selbe wie das schöne Gesicht einer geistlosen Frau: etwas Maskenhaftes“ (F. Nietzsche). Während Musik unsere Emotionen anzurühren vermag, scheinen wir Architektur nicht mehr zu empfinden. Aber: Der Architekt als Ingenieur der Seele? Rauminszenierung als Impressions-Management? Architektur als Stimmungsdusche (Ullrich Schwarz)? Pro und Contra eine Wiederbelebung des psychologischen Raumes.
 

09.August 2006
Das einzigartige Objekt

Singulär, unvergleichlich, unnachahmlich, beispiellos... Was zeichnet ein in diesem Sinn exponiertes Objekt aus? Wodurch vermag es sich aus der Masse der Dinge herauszuheben? Welche Attraktion und welche Wirkung geht von ihm aus? Das „einmalige“ Objekt scheint sich, wie ein Eigenname zu verhalten: Es kennt keine Synonyme und Antonyme. Außergewöhnlichkeit versus Nivellierung.
 

13.September 2006
Faszinosum Einfachheit

“Das Einfache ist schwer, womöglich das Schwerste überhaupt. Was aber schwer ist, das ist nicht leicht. Gehört zur Einfachheit nicht auch Leichtigkeit? Das Einfache ist immer in Gefahr, zu einfach zu sein oder im Schweren und Schwierigen zu verschwinden“ (Hannes Böhringer). In der Einfachheit läge das Wesentliche, die Ruhe, die Klarheit, die Ausgeglichenheit, ja, die Vollendung schlechthin, so ist zu vernehmen. Wir wollen der Schönheit, Selbstverständlichkeit und Komplexität des Einfachen auf den Grund gehen.
 

11.Oktober 2006
Anthropologie der Stadt

Die Urbanisierung unserer Lebenswelt prägt die kulturelle Entwicklung des Menschen. Hier findet die „condition humaine“ ihre spezifischen Rahmenbedingungen vor. Welchen Einfluss hat die zunehmende Verstädterung auf Zivilisation und Kultur? Wodurch zeichnet sich der Stadtmensch aus und welche Tendenzen können wir aus seiner Verfasstheit für die Zukunft ausmachen? Die Stadt als Ort der Menschwerdung.
 

08.November.2006
Markenzeichen Architektur (fällt aus !)

Architektur präsentiert und repräsentiert. Sie steht für einen Typ, eine Qualität, eine Aussage, eine Haltung etc. Sie identifiziert den Menschen, der sich mit ihr identifiziert. Sie fungiert als Aushängeschild für Eigenarten, die ihre „Benutzer“ verinnerlicht haben. Bei der bewussten oder unbewussten Übernahme von Eigenschaften (Introjektion) werden aber auch gehasste oder gefürchtete Züge übernommen. Architektur zwischen Identität und Identifikation.
 

2000
20. 09. 2000
    Gibt es einen "Genius Loci"?

18. 10. 2000
   Was ist gute Baukultur?

15.11. 2000
   Architektur ohne Heiterkeit ist ein Fehler (Zitat nach Barragan)

13. 12. 2000
    Die Gesellschaft zelebriert das Unwesentliche. Architektur muss gegen den Verschleiß der Form
    und Bedeutung Widerstand leisten. (nach  Zumthor)

2001
27. 01. 2001
   Leben und Wohnen

14. 02. 2001
    Ist Architektur Kunst?

21. 03. 2001
   Gibt es guten Geschmack? Welche Bedeutung hat er gegebenenfalls für die Architektur?

18. 04. 2001
    "Zeige mir wie du baust, und ich zeige dir wer du bist" (Morgenstern)

16. 05. 2001
    Architektur und Moral

06. 06. 2001
    Architektur und Natur

12. 09. 2001
    Retrospektives oder zeitgemäßes Bauen?

 03. 10. 2001
    Museumsarchitektur

07. 11. 2001
    Architektur als Symbol

05. Dezember
    Hafenarchitektur



2002
10. April
    Kriterien der Schönheit

08. Mai
  Architektur als Bedeutungsträger

05. Juni
  Architektur und Zeit

03. Juli
  Architektur und das Sakrale

07. August:
    Harmonie und Dissonanz

04. September:
    Die Dimension des Ephemeren

09. Oktober:
    Form und Inhalt

06. November:
  Die Prägnanz der Leere



2003
12. März
Das Sichtbare und das Unsichtbare

09. April
Die Poesie des Zufälligen

14. Mai
Less is more - less is a bore?

11. Juni
Architektur und Chaos

 „Eine Existenz ist modern, insoweit sie die Alternative zwischen Ordnung und Chaos enthält.“ (Zygmunt Baumann)
Kein Begriff scheint der Architektur ferner zu liegen als der des Chaos. Schließlich heißt Bauen eine Ordnung schaffen. Im Sinne von Unordnung beschreibt Hesiod das Chaos als den formlosen, ungestalteten Zustand der Dinge. Platon sieht im Chaos eine rohe Masse, aus die der Geist (Logos) ein geordnetes Ganzes formt – den Kosmos. Aristoteles hält das Chaos für einen leeren Raum (von gr. chanein, Gähnen). Die Umgangssprache versteht heute unter Chaos ein unübersichtliches Wirrwarr.
Mit der Entdeckung des physikalischen Chaos hat der Begriff eine neue unerwartete Brisanz für Natur- wie Geisteswissenschaften erhalten. Es stellt sich heraus, dass im Mikrokosmos nicht mehr das gewohnte Ursache-Wirkungs-Muster (Kausalität) vorfindbar ist. Damit erfährt die Kontingenz (der Zufall) als nicht-lineare Grundlage jeder Ordnung eine Aufwertung. Vorhersagen konkreter Ereignisse werden durch das Phänomen des Chaos unmöglich. Die „exakte“  Wissenschaft muss sich auf Wahrscheinlichkeitsaussagen reduzieren lassen. Die Geisteswissenschaften machen den Begriff „Chaos“ für sich fruchtbar, indem sie nun genauer auf die von der Ordnung verdrängten, marginalisierten Bereiche, auf das „Andere der Vernunft“ blicken. Hier werden u.a. die positiven Objektivationen der Vernunft, ihre Normen und Institutionen, auf die ihr inhärenten irrationalen Potentiale untersucht.
Schließlich steht auch das Phänomen „Architektur“ in diesem Kontext: im Spannungsverhältnis von Destruktion und Konstruktion. Architekten wie Nicht-Architekten reagieren auf „überholte Ordnungen“ (z.B. das Paradigma der Harmonie) mit Widerstand (Kreativität) oder Apathie und auf „chaotische Zustände“ mit den vielfältigsten Sinn- und Ordnungsbestrebungen.
Wir werden nach der Bedeutung von „Chaos“ für die Architektur fragen. Nach den eigenen Erfahrungen (Unübersichtlichkeit, Reizüberflutung, aber auch Leere, Ödnis etc.) und nach dem möglichen Umgang mit Chaos in der architektonischen Umwelt (Komplexitätsreduktion, Versachlichung etc.).

Buchempfehlung: Sylvia Stöbe, Chaos und Ordnung in der modernen Architektur, Potsdamm, Strauss, 1999, ISBN 3-929748-19-3

09. Juli
Der erzählende Raum

„Es gibt keine stumme Architektur. Alle ArchitektInnen, alle Gebäude ‚erzählen Geschichten’ ...“ (Mark Rakatansky)
Räume haben einen narrativen Charakter. Sie sind kommunikativ. Wie die gesprochene Sprache verfügen sie über Syntaktik (Beziehungen zwischen Zeichen) und Semantik (Bedeutungsveränderungen durch Beziehungsveränderungen). Vom Garagenbau zum Museumskomplex beinhaltet die Raumarchitektur eine Vielfalt von Jargons und Stilen. Wie Sprache ist Architektur ein generatives System, das mit wenigen Gestaltungselementen eine Vielzahl von Äußerungen hervorbringt und so ein multivalentes System bildet. Sprechen heißt nicht nur mitteilen, sondern auch handeln. Sprache, wie Architektur, hat Aufforderungscharakter. Sie kann sich der Rhetorik, d.h., einer künstlich gestalteten Sprache bedienen, die in der Lage ist zu überzeugen, aber auch zu täuschen oder gar zu manipulieren.
Wir wollen über die rhetorische Konstituierung und Regulierung von Subjekten im institutionalisierten Raum sprechen. Institutionaliserte Räume werden hier als solche verstanden, durch die eine Ideologie funktioniert. Die These: Im Wiederholen „vertrauter“ Gestaltungselemente verheimlichen oder verdrängen sie das ideologisch Inkonsistente. Unsere Frage lautet u.a.: „Wie kann eine kritische Architektur gegen ideologische Erzählungen des Raums aussehen?“

Textempfehlung:
Mark Rakatansky, Räumliche Erzählungen, in: Sturm der Ruhe, What is Architecture?, Architekturzentrum Wien, Verlag Anton Pustet, Salzburg

10. September
Die Legitimationskrise der Architektur

08. Oktober
Der Begriff der Moderne

Die Moderne sei ein unvollendetes Projekt, so der Philosoph Jürgen Habermas, das sich erst in seiner kritischen Selbstreflexion vollende. Was zeichnet dieses Projekt aus und welche Konsequenzen hat es für die Architektur? Ist die Moderne bereits ein abgeschlossenes Kapitel der (Architektur-)Geschichte oder Grundlage unserer heutigen Baukultur? Welche Fragen, Ansätze und Wahrnehmungen, die in vormoderner Zeit nicht denkbar waren, haben sie generiert? Wie sieht heute die Wohnstadt einer metaphysisch obdachlos gewordenen Architektur aus, die ihrer zeitlosen Ordnung beraubt, frag-„würdig“ geworden ist, die ihre Identität im Spannungsfeld zwischen Universalität und Partikularität, zwischen beschleunigtem Wandel und dem Anspruch auf Dauer und Kontinuität zu finden versucht?

Wir wollen eine Engführung des Forumgesprächs auf Architekturgeschichte vermeiden und das Phänomen „moderne Architektur" mit kulturphilosophischen Blick betrachten.

12. November
Der menschliche Maßstab

Immer wieder werden Architekten mit der Forderung konfrontiert, nach „menschlichem Maßstab“ zu bauen. Wir wollen nach der Bedeutungsvielfalt dieses Leitgedankens fragen: von der Berücksichtigung der körperlichen Proportionen über die sozialen Bedürfnisse bis zur psychischen Disposition des Menschen. Was kann das Anliegen eines architektonischen Humanismus sein? Die Beförderung der Menschlichkeit oder die Legitimation des  „Allzumenschlichen“? Und schließlich: Was charakterisiert „unmenschliche“ Architektur? Der Prozess, aus dem Vorbild Mensch, den normgerechten Menschen zu machen?



2004
10. 03. 2004
Die Frage nach der Funktion

Die Funktion ist ein Aspekt von vielen der Architektur eines Bauwerks. Dieser Aspekt hat es bis zur Theorie des Funktionalismus gebracht mit dem Anspruch, ein architektonischer Leitgedanke zu werden („form follows function“). Die Erscheinung sollte sich ganz aus der Funktion ableiten lassen. Was zeichnet das  „Funktionale“ heute aus? Ist es sein Gebrauchswert oder hat es einen eigenen ästhetischen Gestaltwert (zweckmäßig=gut=schön)? Welche gesellschaftliche Befindlichkeit drückt sich im Hang zum Funktionalismus aus? Wir fragen nach Wert, Sinn, Bedeutung, Charakter und Verheißung des Funktionalen.

14. 04. 2004
Stadt - Zonen und Ränder

Der Stadtrand hat die ordnenden Stadtmauern überwunden und ergießt sich grenzenlos ins Umland. Er löst sich aus der historisch gewachsenen, dichten Urbanität der Stadt und stellt sich dem Zentrum als dynamischer, dezentraler Raum entgegen. Wir wollen über das Verhältnis und die Wechselwirkung von Stadtzonen und –rändern sprechen. Stellt die Peripherie die zentralistische Stadt in Frage? Muss die Stadt der Zukunft von ihren Rändern her gedacht werden (Zentrum als Vorstadt der Peripherie)? Inwieweit kann und soll die Idee der europäischen Stadt – zentriert, dicht, heterogen und gemischt – noch eine Leitfunktion haben?

12. 05. 2004
Ehrlichkeit und Authentizität

Immer wieder hören wir die Forderung nach Ehrlichkeit in der Architektur. Originär eine moralische Kategorie, setzt Ehrlichkeit Wahrheit voraus. Worin aber liegt in Analogie dazu die architektonische Wahrheit? In ihrer Authentizität? Ist ehrliche Architektur authentische Architektur? Und wie sieht diese aus? Brauchen wir das Echte, Selbstidentische überhaupt noch? Oder reicht seine „Inszenierung“? Nicht zuletzt geht es um die Frage nach der Glaubwürdigkeit des/der Architekten/in. Vielleicht hilft uns der Blick des modernen Touristen weiter, bei seiner Suche nach dem Unverfälschten.

09. 06. 2004
Architektur und Animation

Die digitale Revolution hat auch die Architektur erfasst. Der animierte virtuelle Raum scheint unbegrenzte Entwurfsmöglichkeiten zu eröffnen. Welche Herausforderungen, Chancen und Gefahren liegen in der neuen Kreativität? Verändern sich auch unsere Sehgewohnheiten? Welche Bedeutung haben Begriffe wie Simulation, Illusion, Vision u.a. für unsere ästhetische Erfahrung?

11. 08. 2004
Architektur - Stoff für die Sinne

Wir erfahren und erleben uns täglich inmitten einer unvermeidlichen Architekturumwelt. Dabei liefern uns Reiz-Daten die Grundlage (den Stoff) aus dem die Sinne unsere Vorstellungswelt komponieren. Ersteres ist eine natürliche Disposition, Letzteres eine Kulturleistung. Wie beeinflusst Architektur unsere „sinnliche Erkenntnis“? Was erwarten wir von einer Architektur, die sich an unsere Sinne richtet?

08. 09. 2004
Die Stadt als Gedächtnisraum

Erinnerungsorte, Erinnerungsräume, Erinnerungslandschaften. Die Stadt verdichtet das Ungleichzeitige im Gleichzeitigen. Dort, wo die Gegenwart gelebt und die Zukunft hinein gehandelt wird, eröffnet sie Gedächtnisorte, die zum Verharren in der Vergangenheit einladen. Wozu brauchen wir diese Orte? Woran wollen wir uns erinnern? Wie gehen wir mit dem architektonischen Gedächtnis um? Was wird, willentlich?, vergessen, was zeitüberdauernd kanonisiert? Und schließlich: Kann die Vergangenheit besser werden?

13. 10. 2004
Jenseits der Zeichen, jenseits der Form

Architektur ist Form, Funktions-  und Bedeutungsträger. Aber sie erschöpft sich nicht in ihrer ästhetischen, technischen und semantischen Leistung. Wir fragen u.a. nach dem gesellschaftlichen und kulturellen „Mehrwert“ dieses Phänomens. Dazu werden wir das Sinnspektrum von Architektur ausloten. Gelegenheit, mit sokratischem Habitus zu fragen: „Was ist eigentlich Architektur?“

10. 11. 2004
Regionalismus - Globalismus

In den allgemeinen Globalisierungssog geraten, bewegt sich Architektur zunehmend im Spannungsfeld zwischen lokaler Identität und Internationalität. Dabei erscheint das Regionale vergangen und vorindustriell; globale Architektur gegenwarts- und zukunftsorientiert. Kann regionale Architektur im globalen Dorf bestehen? Was zeichnet regionale, was globale Architektur aus? Verläuft die Konfliktlinie entlang der Unterscheidung vom Fremden und Eigenen?



2005

09. März
Kindheitstraum und Raum

„Kindheit“ bezeichnet eine Phase des menschlichen Werdens, die sich auch im architektonischen Raum vollzieht. Räume und urbane Prozesse bilden und prägen diese Entwicklung. Wir werden u.a. nach „Existentialien“ des Kindseins und den daraus folgenden Konsequenzen für die „Bespielung“ von privaten und öffentlichen Räumen fragen.

13. April
Der architektonische Erlebnistaum

Die „Erlebnisgesellschaft“ will betroffen sein und beeindruckt werden. Sie will mitmachen, durchmachen, bewusst und intensiv er- und aufgeregt werden. Das Individuum, das sie konstituiert, scheint sich an der Außenwelt zu erfahren und selbst zu finden. Wie kommt architektonisches Erleben zustande und welche Rolle spielt es für den Menschen in unserer Gesellschaft?

11. Mai
Moral und Stil

Die Moral stellt die Gesamtheit ethischer Normen dar; den Wertekanon einer Gruppe bzw. eines Einzelnen. Stil bezeichnet die einheitliche, charakteristische Darstellungs- u. Ausdrucksweise einer Epoche oder eines Künstlers sowie eine spezifische Lebensweise mit ihren besonderen Bedürfnissen. Wir wollen nach dem Wirkzusammenhang von Moral und architektonischem Stil fragen.

08. Juni
Raum kommt von "Räumen"

„Less is more“ oder „less is a bore“? Welche Motive finden wir zwischen „arte povera“ und Gestaltungsopulenz? Handelt es sich bei der „Räumung“ des Raums um die architektonische „Simplify your life“-Variante gegen den Überdruss an Formenreichtum oder um das Bemühen nach Erhabenheit und Konzentration (K. Frampton)? Wodurch be-, wodurch entseelen wir einen Raum?

10. August
 Von der Notwendigkeit des Überflüssigen

Welche „Not-Wendung“ liegt dem Überfluss zugrunde? Impliziert er eine „innere Logik“  zu verschwenderischem Luxus oder kultureller Dekadenz? Stellt er sich gegen eine allgemeine Standardisierung, Typisierung und Maximierung? Worin liegt sein Wert, wo finden sich ethische Bedenken? Wir wollen über den Sinn des architektonisch Zweckfreien, Überzähligen und Unnützen sprechen.
14. September
Die Funktion des Raumes ist Bewegung

Bewegung und architektonischer Raum konstituieren sich gegenseitig: Bewegung erzeugt und definiert Räume in ihrer Funktion und Bedeutung; Räume schaffen Bewegungs- und Handlungsmöglichkeiten. Die Eroberung unserer Lebensräume trägt zur personalen Entwicklung bei und wirkt identitätsstiftend. Dabei erfahren wir unsere Umwelt immer stärker als sozialen Raum mit vorab definierten Verhaltenserwartungen. In welchem Bedingungs- und Ermöglichungsverhältnis stehen Raum und Bewegung? Führt die politische Enteignung öffentlicher Bereiche, ihre Spezifizierung und Funktionalisierung letztlich zur Simulation von Bewegungsarealen (Videospiele, Fitnessstudio etc.)?

12. Oktober
Architektur als Wille zur Macht

... der Architekt war stets unter der Suggestion der Macht. Im Bauwerk soll sich der Stolz, der Sieg über die Schwere, der Wille zur Macht versichtbaren; Architektur ist eine Art Macht-Beredsamkeit in Formen, bald überredend, selbst schmeichelnd, bald bloß befehlend. Die Macht, (...) die ohne Bewusstsein davon lebt, dass es Widerspruch gegen sie gibt ... (Friedrich Nietzsche)

09. November
Monumentales Bauen

Epochenüberdauernde Baukunst oder unzeitgemäße Architektursymbolik? Ausdruck höchster Kulturideale oder Hybris? Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft oder Reaktion? Wir fragen nach Sinn, Wert und Wesen monumentaler Architektur.



 

"Der Architekt" Zeitschrift des Bundes Deutscher Architekten BDA, Oktober 2001
 

Eine Agora für die Architektur

Architektur ist mehr als die exakte Wissenschaft von Bauökonomie, -statik und -physik. Sie hat einen semantischen Mehrwert: in der Selbstreflexion um den begründeten Geltungsanspruch ihrer theoretischen Grundlagen; im Außenbezug um ihre vieldimensionalen Berührungspunkte als Kulturgut. Die Antworten auf die Frage „Was ist Architektur?“ fallen im Grenzüberschritt nach innen und außen uneindeutig aus. Architektur wird mehrdeutig. Aber der Verlust an rationaler Gewissheit eröffnet einen Diskursraum, der nicht „zunftimmanent“, sondern öffentlich besetzt werden muss. Denn weil Architektur Öffentlichkeit herstellt und Grenzlinien des Privaten zieht, steht sie in beiderseitigem Interesse. Sie ist die „unvermeidliche Kunst“, in deren Bauumwelt sich jeder Bürger wiederfindet. Peter Conradi fordert in einem Interview mit der „Zeit“ vom 05. Oktober 2000 („Architektur als Volkssport“), die Architektur wieder zu einer öffentlichen Sache zu machen: „Wir brauchen eine Debatte, die durchs ganze Land geht.“ (...) „Was mir vorschwebt, ist das Gespräch einer Gesellschaft mit sich selbst darüber, in welchen Städten sie leben will, welche Formen der Gemeinsamkeit sie sich wünscht, welche Gebäude sie dafür braucht ....“ (...) „Ich glaube, dass es bei vielen Menschen ein Interesse an der Architektur gibt, nur schlummert es oft unter der Oberfläche. Wir müssen es wecken, indem wir das Gespräch suchen und Baukultur nicht nur unter Architekten verhandeln.“ (...) „Nur wenn wir bereit sind, uns ganz bodennah auch den banalen Fragen zu stellen, kann es gelingen, die Architektur unters Volk zu bringen.“ 

In Düsseldorf hat dieser öffentliche Diskursraum seit September 2000 einen Ort: das Goethe-Zimmer im traditionsreichen Haus des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten e.V. Auf Initiative des Düsseldorfer BDA findet einmal monatlich das „Forum Architektur“ statt. Ein offener Gesprächskreis für Interessierte vom Fach, aus Kunst, Design, Stadtplanung – aus Neugier. Unterschiedliche Erlebens- und Erwartungshorizonte treffen aufeinander und eröffnen die verschiedensten Korrelationen zur Architektur. Für die Gesprächsleitung verpflichtete der BDA den Philosophen Emilio González Roncero. Als Vorsitzender des „Café Philosophique e.V.“ brachte er das Konzept des Philosophischen Cafés mit. Es sieht vor, dass das Thema zu Beginn der Diskussion von den Besuchern selbst vorgeschlagen wird. Das gewährleistet ein gemeinsames Ausgangsniveau und fordert die kooperative Entwicklung des Gesprächs heraus. Die Idee zu den Philosophischen Cafés, von denen es über 150 weltweit gibt, stammt aus Paris, wo der ’98 verstorbene Philosoph Marc Sautet im Café des Phares an der Plaçe de la Bastille das erste gründete. Emilio González Roncero moderiert mehrere solche Einrichtungen. Geht es in den „klassischen“ Cafés Philo um Grundsatzfragen zu allen möglichen Bereichen unserer Lebenswirklichkeit, so hat González Roncero (www.denkhorizonte-philosophie.de) das Konzept auf spezielle Interessen und Themengegenstände (wie eben der Architektur) zugeschnitten. Seine Aufgabe ist es, den Diskussionsfaden in der Hand zu halten und durch entsprechende Fragestellungen neue Denkansätze zu eröffnen. Er versucht, das scheinbar Selbst-verständliche frag-würdig zu machen. Immer darauf bedacht, die tiefenphilosophischen Implikationen konkreter Fragestellungen auf einem allgemeinverständlichen Sprachniveau zu erörtern und auf die Architektur zu beziehen. „Gibt es einen Genius Loci?“, „Was ist gute Baukultur?“, „Ist Architektur Kunst?“, „Leben und Wohnen“, „Architektur und Moral“, „Architektur und Natur“ sind einige der bereits erörterten Themen. Es fällt nicht immer leicht, gewohnte Denkpfade zu verlassen. Das Denkkorsett sitzt fest. Es zu lösen, ohne in eine frivole Beliebigkeit zu verfallen, ist unter anderem Aufgabe der philosophischen Moderation. Moral und Architektur? Wie hängt das zusammen? Kann ein Gebäude moralische Qualitäten besitzen? Was ist die Eigenart von Kunst, und in welchem Sinn kommt sie der Architektur zu? Lassen sich anthropologische Grundlagen aufzeigen, die den Bedeutungsgehalt des Wohnens erhellen? Gibt es objektive Kriterien für guten Geschmack? Die Runde ist nicht einem Konsens, wohl aber dem offenen und möglichst voraussetzungsfreien Denken verpflichtet. Ebenso wenig wie exponierte Architekturtheoretiker stehen einschlägige Strömungen im Vordergrund. Selbst- und Mitdenken ist gefragt. Das erfordert Mut und Selbstvertrauen in die innovative Kraft der eigenen Reflexion. Für die Vielfalt der Perspektiven und Reibungspunkte sorgen die unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungshorizonte der Teilnehmer. Auge in Auge mit dem Künstler oder Architektur-„User“ wird es den Diskutierenden vom Fach nicht leicht gemacht, sich hinter Sachzwangargumenten zu verschanzen. Man erfährt, was sich Bürger unter einem öffentlichen Platz vorstellen und wie sie die bereits vorhandenen erleben. Dabei wird oft auf die allen bekannte Architektur der näheren Umgebung Bezug genommen. Ästhetische Fragen gehören zum Gesprächspotenzial dieser Veranstaltungen; nach den Grundlagen, aber auch den Motiven und Absichten des Gestaltens sowie der Rezeption des Gestalteten. Unerlässlich, dass dabei Begriffsklärungen erforderlich sind. Aber es geht nicht um deskriptive Definitionen, eher um ihre Bedeutung. Welchen Sinn und Stellenwert hat ein Ornament, orthogonales Bauen, die Form, die Schönheit etc. Ebenso spielen ethische Fragen eine große Rolle. Der venezianische Biennale-Titel des Massimiliano Fuksas „Die Stadt: weniger Ästhetik, mehr Ethik“, zeichnet eine Konfliktlinie, die auch im Forum erkennbar ist. Nicht erst durch Umberto Ecos Semiotik wissen wir von Architektur als Bedeutungsträger. Und so geht es in den Forums-Diskussionen auch um die Wiederspiegelung des Zeitgeistes unserer Gesellschaft in den architektonischen Formen. Sie machen die gesellschaftliche Verfasstheit lesbar und fordern zu Korrekturen auf. Beispielhaft für den Wandel architektonischer Leitprinzipien durch Bewusstseinswandel: Greg Lynn, der Veränderbarkeit und Fluidität versus Dauerhaftigkeit und Orthogonalität setzt. „Die Menschen wollen Häuser, in denen sich die Vorstellungen unserer Zeit wiederfinden. Die Architektur tut aber immer noch so, als sei sie überzeitlich.“ (...) „Ein Gebäude prägt also die Menschen auf eine subtile Weise, die schwer zu beschreiben ist. Aber je stärker wir diese Subtilitäten berücksichtigen, desto wichtiger wird Architektur wieder für den Alltag. Sie wird authentischer.“ (Interview in der „Zeit“ vom 10. August 2001, Hausen in Harmonie). Auf diese Spur begibt sich immer wieder das Forum des Düsseldorfer BDA. „Für mich sind Zeit, Raum und Bewegung auch immer philosophische Fragen“, erklärt Lynn. Dem kann die Forumsrunde wohl nur zustimmen. Aber auch wenn bei den philosophischen Exkursen zeitweise der unmittelbare Bezug zur Architektur vernachlässigt wird, so werden die gefundenen Einsichten schließlich auf die Baukunst rückbezogen. Denn bei allen Denkaus- und -übergriffen steht die Architektur doch immer im Mittelpunkt der Überlegungen.

Bei Wein und Espresso stellt sich schnell ein kommunikatives Ambiente ein. Die Gespräche sind lebendig und spontan. Und was nach zwei Stunden nicht zureichend geklärt werden konnte wird oft nach der Veranstaltung im Malkasten-Café weiter erörtert. Das Forum: eine Agora – ein öffentlicher Ort für Gedanken zum Phänomen Architektur.

Emilio González Roncero, Moderator